Konzeption zum Erhalt und Nutzung der Kirche von Hermersdorf

Stand Mai 2026

Konzeption zum Erhalt und Nutzung der Kirche von Hermersdorf

Stand Mai 2026

Einleitung

Die Dorfkirche von Hermersdorf ist Zeugin der über siebenhundertjährigen Geschichte des Ortes. Sie war über die Jahrhunderte hinweg neben dem geographischen auch der geistliche Mittelpunkt des Dorfes.
Geblieben ist ein Baudenkmal von historischem Wert, ebenso die zentrale Lage. Die rein kirchliche Nutzung ist seit Jahren rückläufig. In ihrer ursprünglichen Bestimmung als Sakralbau geriet die Kirche immer mehr in ein Schattendasein.
Ende der 1990 Jahre wurde in der Kirchengemeinde darüber nachgedacht, die in einem baulich sehr schlechten Zustand befindliche Dorfkirche zu verkaufen oder zu vermieten. Das nebenan befindliche Pfarrhaus sollte als alleiniger Veranstaltungsort genutzt werden.
Die Nachricht davon machte die Runde im Dorf und dazu, dass sich zu Beginn des Jahres 2001 eine Gruppe von interessierten Bürgern zu einer Initiativgruppe zusammenfand, in der auch Mitglieder der Ev. Kirchengemeinde mitarbeiteten. Ihnen einigte das gemeinsame Bestreben, sich für den Erhalt „ihrer“ Dorfkirche einzusetzen.
Am 5. Juli des gleichen Jahres kam es zur Gründung des Fördervereins Dorf und Kirche Hermersdorf e.V..

 

„Die Kirche im Dorf lassen“, sollte zum Leitmotiv des Vereins werden.

Neben dem Anliegen, dieses historische Bauwerk vor dem Verfall zu bewahren, sollten alle Bestrebungen dahin gehen, dass immer die Balance zwischen Anspruch und Wirklichkeit gewahrt bleiben sollte. Hinsichtlich einer künftigen Nutzung der Kirche sollten sowohl die Bedürfnisse der Bewohner*innen des Dorfes als auch die der Kirchengemeinde berücksichtigt werden.
Hermersdorf wurde nach der Gemeindegebietsreform 2002 zu einem Ortsteil der Stadt Müncheberg. Kirchengemeindlich gehört das Dorf zur Evangelischen Kirchengemeinde Müncheberger Land.
Am 16.April 2003 wurde zwischen dem Verein und der Kirchengemeinde ein Nutzungsvertrag geschlossen.
Als eine weitere Handlungsgrundlage für die Nutzung der Dorfkirche dient, die von der Landeskirche Berlin-Brandenburg erstellte „Orientierungshilfe zur Nutzung von Kirchen für nichtkirchliche Veranstaltungen“
2005 wurde das ehemalige Pfarrhaus verkauft, so dass sich alle Bemühungen des Vereins und der Kirchengemeinde auf die Dorfkirche konzentrierte.
Als Mitglieder des Fördervereins haben wir uns seitdem gemeinsam mit der Kirchengemeinde für den Erhalt des Gebäudes eingesetzt.
Gleichzeitig haben wir von unserem zweiten Anliegen leiten zu lassen, die Kirche als einen Ort der Begegnungen werden zu lassen und im besten Sinne mit Leben zu füllen.

Aus der Geschichte

Seit fast 800 Jahren das Herz von Hermersdorf

Um 1230

Bau der Kirche von Hermersdorf

Um 1400

  • Aufstellung eines Marienaltars mit geschnitzten Figuren:
  • Maria, Anna, Petrus und Barbara, der Schutzpatronin des Dorfes. Erhalten geblieben sind die Figuren des hl. Petrus und der Anna Selbdritt.
  •  Neubau eines Kirchturmes nach Abriss des Alten.
  • Guss und Aufhängung der jetzigen Glocke
  • (Die größte Glocke musste 1836 wegen eines Sprunges entfernt werden, zwei kleine Glocken zerschmolzen beim Brand 1945)
  • Neue Innenausstattung der Kirche.

1682

Bau der alten Kirchhofsmauer

1705

Renovierung der Kirche.

1735

Erhöhung des Turmes durch einen 15 m hohen Holzaufbau

1744

Einbau einer Kirchturmuhr (stand von 1830-1945 still)

1836/37

Völliger Umbau der Kirche:

  • Abriss des Holzaufbaues von 1735.
  • Bau eines flachen Daches.
  • Flügelaltar kam in das Müncheberger Museum.
  • Rundbogenfenster und Balkendecke sowie Kanzel über dem Altar.

1870

Einbau von zwei Seitenemporen

1871

Erste Orgel in Hermersdorf

 

1945 – Mitte April

Kirche durch Artillerie in Brand geschossen 

1952/54

Wiederaufbau der Hermersdorfer Kirche:

  • Errichten einer kleinen Orgelempore.
  • Chor mit Altar und Kanzel wieder wie vor 1837.
  • Altar mit drei Bildern des Berliner Künstlers Herrler.
  • Wände mit Ausmalung von Petrusbildern durch den Kunstmaler Grunemann in Frankfurt (Oder).
  • Holz wurde von den Hermersdorfern gestiftet.
  • Einweihung am 31. Oktober 1954

2004

Erneuerung der Einbauten im Turm mit Treppen und begehbaren Etagen in drei Ebenen

2005

Neueindeckung Kirchturmdach und Teilsanierung der Außenfassade

2008-2011

Sanierung der Elektroanlage:

  • Installation eines neuen Hausanschlusses
  • Erneuerung der Beleuchtung im Außenbereich der Kirche und im Turminneren

 2011/12

Errichtung eines neuen Glockenstuhls mit elektrischem Glockengeläut

2018

Neueindeckung des Kirchenschiffes

2025

Restaurierung zwei 2 historischer Altarfiguren, die ursprünglich zur  Kirche Hermersdorf gehörten und jetzt in der Stadtpfarrkirche Müncheberg aufgestellt sind.

2025

Restaurierung einer der Wilhelm-Sauer-Orgel für die Kirche Hermersdorf

Zustandsbeschreibung

Der bauliche Zustand

Seit 2021 liegt für die Kirche ein detailliertes Gesamtsanierungskonzept vor, erstellt vom Ingeneurbüro für Baustatik und Sanierungsplanung ibs aus Hoppegarten, auf dessen Grundlage wir die Sanierung der Kirche vorantreiben.

Die Innenausstattung

Hauptschiff

Durch eine zweiflügelige Bogentür gelangt man in das Hauptschiff der mittelalterlichen Kirche, deren Grundmaß 9 x 13 m beträgt.

Hier befinden sich insgesamt 19 Bänke (Länge jeweils 3,3 m), die verschieden aufgestellt werden können. Die Bänke sind in einem guten Zustand.

Das Hauptschiff wird durch vier vierarmige aus Holz und Hanfseilen gefertigte Lampen erleuchtet.

Turm

Der Hauptzugang in die Kirche führt durch den Turm, der sich an den Westgiebel des Kirchenschiffes anfügt. Tritt man durch den zweiflügligen spitzbogenförmigen Haupteingang, gelangt man zunächst in dem im Turm befindlichen Vorraum. Seine Grundfläche beträgt ca. 4 x 4 m. Darüber befinden sich In Abständen von ca. 5 m insgesamt drei, über eine Treppe begehbare, Etagen.

Auf der obersten Etage, in Höhe der Schallluken hängt die einzige, noch verbliebene Glocke der Kirche. Sie wiegt 451 kg.

1620 wurde sie von Christian Heinze in Spandau gegossen und vom damaligen Patron Christian Pfuel gestiftet. Neben diesen Informationen trägt sie außerdem die Inschrift:

„An Gottes Segen ist alles gelegen“.

Die Glocke wird mit einem elektronisch gesteuerten Elektroantrieb zum Klingen gebracht.

Altarraum

Die Beleuchtung besteht lediglich aus zwei an den Seitenwänden befindlichen Wandleuchtern. Der Altarraum ist wesentlich kleiner (ca. 7,5 x 5,7 m), er wird durch einen, bis fast an das hölzerne Tonnengewölbe heranreichenden, Triumphbogen vom Hauptschiff optisch getrennt.

Im Übergang zum Altarraum befindet sich linkerhand die aus Holz gefertigte Kanzel, ihr Zustand ist gut. Das Taufbecken besteht aus einem 90 cm hohen Unterbau aus schräg versetzten Backsteinen. Den Abschluss bildet ein Holzring zum Halten der Taufschale. Diese wird anderwärtig verwahrt.

Der Altar besteht aus einem relativ großen Tisch (Massivholz, ca. 3 cm Dicke und 1,0 x 2,2 m in der Fläche), der auf einem gemauerten Sockel ruht. Letzterer ist verputzt, geweißt und hat die Maße 1m x 0,9 m x 1,9 m (H x B x L).

Statt des verbrannten Flügelaltars, hat der Berliner Künstler Herrler um 1953 ein dreiflügeliges Altarbild auf Linoleum geschaffen. Auf ursprünglich goldenem Untergrund wird die Kreuzigung, die Geburt und die Taufe Jesu dargestellt. Die Maße des Bildes sind: Gesamthöhe einschließlich der Konsole 1,85 m; Breite 2,25 m. Auf dem Altar befinden sich ein schlichtes Holzkreuz, 75 cm hoch und zwei ebenfalls aus Holz gearbeitete Kerzenständer, 55 cm in der Höhe.

Die Heiligen-Standbilder

Bis zu der umfangreichen Umgestaltung der Kirche 1836/37 befand sich an dieser Stelle ein mittelalterlicher Altar, der mit acht aus Holz geschnitzten Figuren versehen war. Dieser Altar wurde entfernt und kam in das Kreismuseum Lebus nach Müncheberg.

Nachzulesen in: „Märkisches Dorfleben einst und jetzt – Bilder aus der Geschichte der Landgemeinden Hermersdorf, Wulkow und Trebnitz“ S. 68 ff., von Ludwig Lehmann, Pfarrer in Hermersdorf; ersch. 1901 im „Deutscher Dorfschriftenverlag“ Berlin. Mitteilungen des Vereins für Heimatkunde des Kreises Lebus in Müncheberg“ , Heft IV. – V. Heft  1914/15, S. 91-92

Das Museum Müncheberg wurde 1945 zerstört, viele Exponate konnten vorher ausgelagert werden.

Von diesem Altar sind zwei Figuren erhalten geblieben, die der Hl. Anna Selbdritt und der des Hl. Petrus. Die Skulpturen sind 101 cm hoch, 33-34 cm breit und 17 cm tief. Beide sind aus Lindenholz gearbeitet, halbplastisch geschnitzt, rückseitig nicht ausgebeilt. Es wird geschätzt, dass sie aus dem Anfang des 16. Jh. stammen könnten.

Zum Zeitpunkt der Vereinsgründung befanden ich die Figuren in der Werkstatt der Dipl. Restauratorin Frau Katharina Geipel in Berlin. Der Verein setzte sich für die Restaurierung der Figuren ein. Durch die Unterstützung vieler Spender und Spenderinnen und durch finanzielle Zuschüsse durch die Sparkasse Märkisch-Oderland und der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen konnte die Restaurierung durch Frau Geipel 2025 abgeschlossen werden.

Sie sind heute in der Stadtpfarrkirche Müncheberg zu besichtigen.Bis zur endgültigen Instandsetzung der Hermersdorfer Kirche sollen sie dort verbleiben.

Die Wilhelm Sauer – Orgel

In der oben erwähnten Chronik des ehemaligen Pfarrers Ludwig Lehmenn aus dem Jahre 1901 habe die Hermersdorfer Kirche 1871 eine Orgel erhalten. Es ist zu vermuten, dass diese mit der kriegsbedingten Zerstörung der Kirche 1945 verloren ging. Aufzeichnungen dazu sind bisher nicht bekannt.

2014 wurde dem Förderverein eine stark beschädigte kleine Orgel geschenkt.

Nach einer zufälligen Begegnung mit der Orgelbauwerkstatt Scheffler in Sieversdorf (Lkr. LOS), stellte sich heraus, dass es sich dabei um ein Instrument aus der berühmten Werkstatt Wilhelm Sauer, Frankfurt-Oder handelt. Ihre Entstehung wird auf 2010 vermutet.

Die Orgelbauwerkstatt hat sich spezialisiert auf die Instandsetzung von Sauer – Orgeln.

Als eine kleine Sensation stellte sich die Bauweise unserer kleinen Orgel heraus: eine pneumatische Traktur. (die luftverstärkte Ansteuerung der Tasten). Diese werden üblicherweise nur bei großen Orgeln verbaut.

Durch eine Vielzahl von Spenden konnte der Verein zum Jahresende 2024 einen beträchtlichen Eigenanteil zusammenbringen, so dass nun Förderanträge gestellt werden konnten. Im Herbst 2025 war die Finanzierung der Restaurierung der Orgel gesichert. Die Zuwendungen dazu erhielten wir dazu von der Sparkasse Märkisch-Oderland, dem Kirchenkreis Oderland-Spree, der Stiftung Brandenburgische Dorfkirchen, der Katharina und Gehard Hoffmann Stiftung und vom Brandenburgischen Kulturministerium.

Mit einer großen Feier wurde die Orgel am Himmelfahrtstag 2026 in der Hermersdorfer Kirche seiner Bestimmung übergeben.

Nutzung der Kirche

Der Förderverein „Dorf und Kirche Hermersdorf e.V.“ setzt sich seit seiner Gründung für die Instandsetzung der Dorfkirche Hermersdorf ein. Bis heute konnten wir dabei große Fortschritte erreichen. Gleichzeitig bestand unser Anliegen aber auch darin, die Kirche zu öffnen und zu einem Ort der Begegnung zu machen, unabhängig von der religiösen Bindung oder dem sozialen und kulturellen Hintergrund ihrer Gäste.

Mit unseren verschiedensten Veranstaltungen in der Kirche und im Dorf fördern und bereichern wir das kulturelle Leben im Ort. Darunter finden sich einmalig stattfindende Events und solche, die zum Teil schon zum festen Bestandteil des kulturellen Lebens im Dorf gehören und jedes Jahr stattfinden.

Als Beispiele seien hier genannt: verschiedene Konzerte, Lesungen, jährlich mindestens eine Ausstellung, das Hermersdorfer Suppenfest, das Drachenfest, der Hermersdorfer Adventskalender, Putz- und Müllsammelaktionen u.a.m. Viele Veranstaltungen weisen eine hohe Zahl an Besucher*innen auf. So hatten wir zum Beispiel im Mai 2025 eine Ausstellungseröffnung und ein Altarfigurenfest, wo wir jeweils um die 80 Gäste begrüßen konnten. Zum 7. Hermersdorfer Suppenfest im Juli letzten Jahres zählten wir um die 120 Besucher*innen.

Der Verein genießt im Ort, in dem ca. 280 Menschen leben, eine hohe Akzeptanz und trägt mit seiner Vielfalt an Veranstaltungen maßgeblich zu einem gut funktionieren Gemeinschaftsleben bei.

Die sehr weit verbreitete Variante einer Verglasung des oberen Emporenbereiches, zur Schaffung eines eigenständigen und beheizbaren Raumes, wurde erwogen.

Ein großer Nachteil bei dieser Nutzungsart ist, dass der Raum nur über eine Treppe erreichbar, und somit nicht behindertengerecht, wäre. Auch was seine Größe und Gesamtausstrahlung beträfe, überzeugt uns diese Möglichkeit nicht.

Viel geeigneter erscheint uns deshalb der Altarraum. In vielfacher Weise ist der Altarraum nach unserem Ermessen ein besonderer Ort. Aus historischer Sicht ist er möglicherweise die „Keimzelle“, der ursprünglichste Teil dieser Kirche. Aus theologisch-geistlicher Sicht erfährt er ebenfalls eine hervorgehobene Bedeutung. Aus dieser Wertigkeit heraus und in Hinblick auf Proportionen und Lage stellt er für uns den am geeignetsten Raum dar.  

Unmittelbar vor dem Bogen, zwischen Hauptschiff und Altarraum könnte eine Stahl/Glas Abtrennung errichtet werden. Diese sollte so konstruiert sein, dass sie bei Inanspruchnahme der gesamten Kirche weitestgehend geöffnet werden kann, ansonsten aber den Altarraum zu einem funktionell unabhängigen Raum werden ließe. Der aus dunkelbraunen, glasierten Klinkern bestehende, Fußboden sollte durch eine mehr Wärme ausstrahlende Alternative (Terrakotta, Dielung etc.) ersetzt werden. Die Raumgestaltung müsste natürlich im Einklang mit der Gesamtgestaltung der Kirche stehen.

Ein Raum in überschaubarer Größe, zu ebener Erde, separat beheizbar, und mit einer besonderen Ausstrahlung würde entstehen. Er könnte als Winterkirche für die Kirchengemeinde dienen und darüber hinaus als Ort für kleinere Veranstaltungen, wie etwa Versammlungen, Lesungen oder für kleine Konzerte zur Verfügung stehen.